Was tun gegen Fake-News und Online-Hass? – Konferenz im Deutschen Bundestag

Rund 60 Europaratsmitglieder, Vertreter von Ministerien, Experten sowie Journalisten im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestages kamen am 13. Februar 2017 zusammen, um Ursachen und Lösungsansätze des Phänomens „Online-Hass, Verschwörungstheorien und sinkendes Vertrauen in die Medien“ zu diskutieren. Die Konferenz fand auf Initiative von Gabriela Heinrich (MdB) im Rahmen des Ausschusses für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats statt.

In zwei Panels wurden von Referenten zunächst das Auftreten und die Gründe für Hate Speech im Internet sowie dessen soziologische Folgen erörtert (Hashtag #nohatespeech), bevor in einer dritten Runde Lösungsansätze dargestellt wurden.

Für das Phänomen des „Hate Speech“ und „Online-Hass“ habe der Europarat auf seiner Website unter coe.int -> Bookmarks bereits eine Definition ausgearbeitet, so Anne Brasseur, Mitglied des luxemburgischen Parlamentes, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung und Botschafterin des No Hate Speech Movement.

Hate Speech ist nichts Neues

Dabei ist „Hate Speech“ gar nicht ein so neues Thema: Bereits 1919 sei der ehemalige Reichspräsident Friedrich Ebert in einer Zeitung im Badeanzug abgebildet worden, allein mit der Absicht, ihn dadurch verächtlich zu machen. Heute sei aber die mögliche Verbreitungsgeschwindigkeit viel höher, und damit sei es mit den zugleich wesentlich breiteren Verbreitungswegen viel schwieriger, einmal in der Welt befindliche Falschmeldungen richtigzustellen und aus der Welt zu schaffen.

Dabei müsse angesichts der Tatsache, dass bereits 55% der heute Achtjährigen in sozialen Netzwerken aktiv seien, besonderer Wert auf den Erwerb von Medienkompetenz in der Bevölkerung gelegt werden. Denn Trolle interessierten sich vornehmlich für die gewünschte Responsivität, die ihnen entgegenkomme und weniger bis gar nicht für die (politischen) Inhalte ihrer Postings.

Die Statements der Teilnehmer

Milena Santerini (Mitglied des italienischen Parlaments) zeigte in ihrem Beitrag auf, dass Menschen gerne nach Bestätigung dessen suchen, was sie sowieso schon glauben. Auch die wirtschaftliche Komponente für die Verbreitung von deterministischen Geisteshaltungen oder postfaktischen Nachrichten spiele eine gewichtige Rolle, denn soziale Netzwerke verdienten auch an deren Verbreitung mit. Dabei könne eine Selbstkontrolle von typischen Web-2.0-Inhalten mit geeigneten Strukturen durchaus funktionieren, Wikipedia sei hier bestes Beispiel.

Nachdem Dr. Jasmin Siri (Uni Bielefeld) über die soziologischen Gründe für Verschwörungstheorien für Hass im Internet sprach, legte Prof. Dr. Matthias Kohring (Uni Mannheim) dar, dass 60% der Deutschen glauben, es bestehe eine Korrelation zwischen der Glaubwürdigkeit der Politik und den Medien. Wenn Politik unglaubwürdiger werde, würden auch die Medien als unglaubwürdiger angesehen.

An Initiativen für #nohatespeech scheint es in Deutschland nicht zu fehlen: so zeigte die Referentin und hoaxmap.org-Gründerin Karolin Schwarz auf einer Deutschlandkarte anschaulich auf, wo in Deutschland Falschmeldungen mit xenophobem Inhalt aufgedeckt wurden. Die Vernetzung solcher Angebote beispielsweise mit der Polizei könnte allerdings erheblich ausgebaut werden.

Staatssekretär Gerd Billen vom Bundesministerium der Justiz bemängelte die fehlende Unterstützung von Nutzern sozialer Netzwerke, wenn diese eindeutig justiziable Inhalte an das Netzwerk meldeten: „Facebook löscht nur 3% aller gemeldeten justiziablen Einträge, twitter gerade einmal 1%. Die Gespräche mit den Unternehmen führen wir fort, sie ist zwar besser geworden, aber sie ist noch nicht gut.“ Der Staat dürfe dabei aber nicht in den Status verfallen, die Aufgabe eines „Wahrheitsministeriums“ zu übernehmen.

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Author: admin

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